Unser Bauernhof in der Presse:

Familie Eberles Logenplatz für Gäste
Betrieb bietet seit 1962 "Urlaub auf dem Bauernhof" an

Von Birgitta Wenninger


Hopferau
Der Bauernhof der Eberles bietet einen Logenplatz: Der Blick fällt weit auf die Kette der Allgäuer Alpen, überall sattgrüne Wiesen, darüber der oft blaue Himmel. Sogar Schloss Neuschwanstein ist zu sehen. Postkarten-Motive,. wohin das Auge auch blickt. Eine Umgebung, die für die Familie nicht nur einen ästhetischen Aspekt hat, sondern auch einen wirtschaftlichen. Schon seit vielen Jahren vermieten die Eberles in Oberdill bei Hopferau (Ostallgäu) Ferienwohnungen an Gäste. Das Angebot "Urlaub auf dem Bauernhof' ist für die Familie, bei der 23 Milchkühe im Stall stehen, zu einen wichtigen zweiten Standbein geworden.

1962 fing alles an. Es war das Jahr, als zum ersten Mal Gäste auf dem Hof der Familie übernachteten. "Für uns war das völliges Neuland", erinnert sich Resi Eberle (65). In der Nachbarschaft, wo bereits Zimmer vermietet wurden, war nichts mehr frei. "Also fragten sie bei uns nach", so die Bäuerin. Eine Woche blieben diese allerersten Gäste, eine Lehrerfamilie aus Ingelheim - für 3,50 Mark pro Nacht. Unter deutlich anderen Standards als heute: "fließendes Wasser gab es nicht", erzählt Resi Eberle. Das trübte das Urlaubsvergnügen in jenen Tagen kein bisschen. Den Gästen gefiel es so gut, dass sie wiederkamen. Dass die Familie immer wieder Anlaufpunkt für treue Gäste ist, dass sogar deren Kinder später als Erwachsene mit eigenem Nachwuchs dort Urlaub machen, ist keine Ausnahme. "Wir haben viele Stammgäste", sagt Anton Eberle (41), der Sohn von Resi Eberle.

Bei der Wahl des Urlaubsziels seien Kinder oft die treibende Kraft. "Sie betteln, ,Wir wollen wieder zum Bauer Eberle', - und die Eltern erfüllen diesen Wunsch", so der gelernte Maschinenschlosser, der derzeit im "Bildungsprogramm Landwirte" (BiLa) an einem einjährigen Kurs teilnimmt, der zur Abschlussprüfung zum Landwirt führt.

 

Bettenmachen für die Gäste In der Ferienwohnung ist die Aufgabe von Oma Resi Eberle.

Fotos: Brigitta Wenninger

Wenn Anton Eberle auf den Traktor steigt, wollen meist auch Anne und Fabian mitfahren.

Auf die ersten Gehversuche in Sachen "Urlaub auf dem Bauernhof" folgten weitere Schritte und mehr Komfort. 1967 etwa kamen Warmwasserleitungen ins Haus, später dann Duschen in die Zimmer. 1986 bauten die Eberles im zweiten Stock zwei Ferienwohnungen aus. "Weil viele Gäste danach fragten", so Anton Eberles Ehefrau Martina {37), gelernte Hauswirtschafterin.

Mit dem Urlaubsangebot wuchs auch die Landwirtschaft. In den 60er Jahren hatten die Eberles rund zwölf Milchkühe. 1971 wurde ein neuer Stall gebaut. Heute sind dort 23 Kühe mit Nachzucht untergebracht. Die Arbeit teilen sich alle Familienmitglieder. Zuständig für den Stall sind Anton Eberle und sein Vater Josef (69), für die Reinigung der Ferienwohnungen die Frauen, für den Schriftverkehr Resi Eberle. Alle vier kümmern sich um die Zwillinge Anne und Fabian (3) und Tochter Sara (6).

32 bis 46 Euro pro Tag, je nach Wohnung und Saison, kostet eine Übernachtung bei den Eberles - ohne Frühstück Ganz unterschiedliche Menschen sind zu Gast bei ihnen. Junge Familien ebenso wie ältere Paare, Stammgäste ebenso wie Ausflügler, die sich spontan dafür entscheiden, einige Tage oder länger auf dem auf 850 Metern an einem Südhang gelegenen Hof zu verbringen.

Finanzielle Entlastung

160 bis 180 Tage im Jahr sind die Drei-Sterne-Ferienwohnungen der Eberles vermietet. "Wir haben es nie als Last empfunden, Gäste im und ums Haus zu haben", meint Resi Eberle. Die Arbeit sei abwechslungsreicher und man lerne neue Menschen kennen, sagt auch Anton Eberle. Für sie sei die Kombination Landwirtschaft und Vermietung ideal. Zeit und Arbeit könnten flexibel eingeteilt werden. Die Familie habe mehr Zeit füreinander. Das zusätzliche Standbein bedeute eine finanzielle Entlastung.

"Ohne diese Einkommensquelle könnten wir uns einiges nicht leisten, wir müssten uns einschränken", sagt Martina Eberle. So willkommen das zusätzliche Geld auch sei. Eine Vergrößerung des Ferienangebots komme dennoch nicht in Frage: "Wir wollen schließlich kein Bauernhotel werden", betont die Frau.

Allgäuer Zeitung vom 28.04.2005